Sind japanische Rollenspiele überholt?

Sind japanische Rollenspiele überholt? – WASTED Magazin

Japanische Rollenspiele (oder JRPGs für Ungeduldige) sind eine besondere Gattung von Spiel. Einst die Blockbuster der SNES (Super Nintendo Entertainment System für Geduldige)- und PlayStation-Ära, zu deren Veröffentlichung die Videospielwelt den Atem anhielt, heute eher eine im Zwielicht der Nische gefangene Randerscheinung.

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Hm hm hm. Vielleicht hat der Titel bei mir falsche Erwartungen geweckt, aber irgendwie hatte ich mir von diesem Cast mehr erhofft. Ein Gespräch über die Aktualität von jrpgs anzukündigen und sich dann erst mal um eine genauere Charakterisierung herumzudrücken indem man einfach kategorisch jedes rpg aus Japan zum jrpg erklärt und dann feststellt, dass es außerhalb Japans keine jrpgs geben kann… Klar, kann man so machen, aber irgendwie finde ich das auch ein bisschen harsch, vielleicht sogar ein bissl faul, vor allem kann ich aber nicht nachvollziehen, welche Agenda das jetzt verfolgen würde, wenn ich sage, dass mich zum Beispiel Battle Chasers Nightwar stark an ein jrpg erinnert, obwohl es aus den USA kommt.
Ich verstehe ja, dass rpgs aus Japan sich in den letzten Jahren stark diversifiziert haben und heute nicht mehr viel mit einer klassischen (vielleicht auch westlichen) Vorstellung eines jrpgs zu tun haben. Aber müsste es dann nicht darum gehen, diese Vorstellung zu dekonstruieren und dann eben auf ihre Aktualität hin abzuklopfen? Ich würde ja zum Beispiel dark souls jetzt nicht als jrpg bezeichnen, auch wenn es sicher ein rpg aus Japan ist. Also was hat es mit diesem Begriff auf sich?

Ansonsten einfach noch mal zwei Stichworte, die ich zum Thema einfach mal in den Raum stelle:

Kishotenketsu - seit ich nach dem Konsum einer koreanischen Serie einmal recherchiert habe, wie man in ostasien generell drama aufbaut, habe ich das Gefühl, besser zu kapieren, wieso jrpg stories tun, was sie tun. Und umso interessanter finde ich es, wenn sie das nicht mehr tun…

Grinding - in Ostasien lernt man oft durch dauernde Wiederholung einer Sache, die man dann irgendwann zur Perfektion getrieben hat. Deshalb gibt es in hong kong Imbissbuden mit Michelin-Stern, die die perfekten dimsums herstellen. Die Köche in diesen Buden können dann aber oft nichts anderes. Hat Japan aus dieser kulturpraxis heraus das grinding erfunden? Und dann für den Weltmarkt verlernt?

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Ich führe eine Hassliebe mit JRPGs bzw dem, was die Mehrheit darunter versteht.
Gerade die typischen, klischeehaften Darstellungen minderjähriger, männlicher Protagonisten und der unangenehm übersexualisierten Körperform der weiblichen Personen schreckt mich mehr ab, als es die bunten Welten und überdrehten Storys selbst je könnten.
Mein aktuell liebstes JRPG, bei dem ich auch im vierten Durchgang immer noch Rotz und Wasser heule, ist Xenoblade Chronicles 2, vor allem der Torna-DLC, den ich immer wieder spiele, obwohl ich Dramen und Tragödien sonst meide, wie der Teufel das Weihwasser. Und das, obwohl das Spiel durchaus Eigenschaften hat, die mich sonst abstoßen.
Dragonquest XI hat mich trotz Rundenkampf und der merkwürdigen Augen spätestens zum Ende der wirklich langen Switch-Demo auch gekriegt.
Und NieR Automata ist auf meiner Liste der „langen, noch zu spielenden Titel“ ganz weit oben. Das habe ich bereits angefangen, mein alter PC hat es aber nicht verkraftet.
Final Fantasy X war mein erstes wirklich großes Spiel. Habe es nie beendet, trotzdem wird es immer einen besonderen Platz in meiner Spielehistorie haben.

Was ich an den Spielen mag, ist die häufig sehr bunte Welt und die Tropes, auf die man sich fast verlassen kann - und wenn sie mal gebrochen werden, umso besser. Selbst ernste Themen werden auf ihre ganz eigene Weise behandelt.
Die Storys sind auch oft so angenehm abgefahren und freakig.
Kampfsysteme sind ja inzwischen auch stark diversifiziert, der Rundenkampf gehört längst nicht mehr zu den typischen Eigenschaften.

Was mich aus westlicher Sicht vor allem stört, sind die oben bereits erwähnten Darstellungen von vor allem Frauen, aber auch dem Klischee des ekelhaften, horny Schürzenjägers. Ich habe mich aber mit ±16 Jahren lange und tief genug in die Japan-Faszination meiner damaligen Clique mit reinziehen lassen, um zu verstehen, dass es da auch ganz viel auf der japanischen Kultur basiert, die sich einfach von unseren Gewohnheiten stark unterscheidet. Ich glaube, viele Japaner:innen rollen auch mit den Augen, wenn ihnen in Games typisch europäische/amerikanische Klischees begegnen :wink:

Und der Grind… naja, das ist doch längst kein Japano-Phänomen mehr? Mögen tu ich es nie, aber bei Rollenspielen und ähnlichen Titeln ist es doch fast Usus. Grind, Abklappern von Nebenquests, Fetchquests…

Zu der eigentlichen Frage, ob JRPGs vielleicht überholt sind:
Jain. Bzw nicht mehr, als vorher auch schon. Ich denke, in vielen Spieler:innen-Herzen werden sie immer einen Platz finden und es gibt genug Variationen, dass fast jede:r etwas finden kann, was gefällt.
Und auf der anderen Seite gibt es auch einfach die oben von mir angesprochenen Eigenheiten, die halt nicht immer Anklang finden.
Aber sollten die japanischen Spieleentwickler:innen deshalb ihre Spiele ändern? Nö, warum? Das macht sie doch, zu dem, was sie sind. Natürlich fände ich persönlich manche Änderungen besser und ich denke auch, auf Dauer wird sich zumindest in die Mainstreamtitel ein gewisser westlicher Einschlag bemerkbar machen (vielleicht gibt es den auch schon?) und manche meiner Kritikpunkte wenn nicht ausbügeln, dann vielleicht glätten.
Aber komplett anpassen, würde auf Kosten der eigenen Identität gehen und dafür ist der heimatliche Markt zu groß und zu wichtig.

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Schön zu lesen, dass es hier noch andere mit einer Passion für Xenoblade gibt. Ich spiele gerade zum ersten Mal Torna, weil mir das noch fehlte und ich für den Release von XC3 vorbereitet sein möchte :muscle:

Ich mag die Spiele vor allem für ihre Welten und die Reise mit den Figuren. Wobei die Darstellung von weiblichen Figuren und ihre Tropes (insb. In XC2) zum Teil echt furchtbar sind. Das kann man auch mit Respekt für japanische Kultur dennoch kritisieren. Nervt mich auch. Aber es gibt sonst kaum ein Spiel, das mich mit seinen Welten so abholen kann wie die Xenoblade-Spiele. Visuell und von ihrer Geschichte her. Ich laufe da gern herum, bewege mich in diesen Welten, erkunde sie. Die grandiosen Soundtrack helfen natürlich auch dabei, dass man gern durch die Gegenden streift.

Ich denke man kann sagen, dass japanische Rollenspiele sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt haben was ihr Gameplay angeht, aber sie unterscheiden sich meistens noch immer sehr von westlichen Spielen darin, wie sie Geschichten erzählen. Ein bisschen Hintergrund dazu, wie die Geschichten aufgebaut sind, hilft durchaus beim Verstehen und beim Genuss, finde ich (insb. Kishotenketsu, wurde oben schon genannt). Auf jeden Fall gibt es dafür einen Platz in der Spielelandschaft und das zeigen ja auch Erfolge wie FFVIIR, Xenoblade und Tails.

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Wenn Gregor beim LGS-Finale dabei gewesen wäre,
Chrono Trigger so:

Kate Winslet Yes GIF by Emmys