Die Aufarbeitung des Holocaust und andere historische Ereignisse durch Videospiele

Hallo

Gestern war der 77. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz und der Holocaust Gedenktag.

Gibt es Videospiele die diese Zeit aufarbeiten und sich für die Erinnerung und Mahnung einsetzen?

Das gilt natürlich auch für alle anderen bedeutende Ereignisse

Das wäre doch auch ein Podcast-Thema.

Viele Grüße

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Through the Darkest of Times ist hier natürlich ganz vorne mit dabei.

In GAIN #13 haben wir uns mit dem Themenkomplex stärker befasst.
Unter anderem auch mit dem Thema Konzentrationslager und Videospiele.

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Die wählen ganz bewusst eine indirekte Darstellung:

Eine Grenze blieb dennoch. „Ein Konzentrationslager von innen spielbar zu machen – das haben wir uns nicht getraut“, sagt Friedrich. Die Schoah zu verschweigen, wie es andere Spiele machen, war aber auch keine Option. Berichte über Konzentrationslager erreichen den Spieler immer wieder, über Zeitungen oder verbündete Widerstandskämpfer. Zu Gesicht bekommt man sie nicht. „Ich hatte den Eindruck, dass es stärker ist, wenn wir die Leute das Bild selbst zu Ende zeichnen lassen.“

Ich mach mal Eigenwerbung, denn ich hab in letzter Zeit zweimal für die GameStar (hinter der Plus-Paywall) über das Thema geschrieben und deshalb sind mir viele komplizierte Gedanken dazu noch präsent. Einmal in einem etwas allgemeineren Text über Kriegsverbrechen, die Kriegsspiele nicht darstellen

»Eine den Opfergruppen angemessene Darstellung des Holocaust ist sicher die größte Herausforderung«, sagt Bastian Dawitz, »das hat der seinerzeit die kritische Diskussion um den Film Schindlers Liste schon gezeigt.« Dawitz ist Teil des Arbeitskreis Geschichtswissenschaft und Digitale Spiele, kurz AKGWDS, in dem Akademiker aus verschiedenen Perspektiven auf die Geschichtsdarstellung in Videospielen blicken. »Da braucht es als Entwicklerteam schon eine sehr genaue Vision und Dialogoffenheit, insbesondere in Bezug zu Nachfahren von Opfern«, so Dawitz.

…und zuletzt mit einer Kulturwissenschaftlerin, die sich mit Erinnerungskultur auseinandersetzt, über War Mongrels gesprochen. Das Spiel ist (von Neo-Nazi-Abfall abgesehen) das erste Spiel, in dem ich ein betriebenes Vernichtungslager gesehen habe.

Aus ihrer Sicht hat das mit der Erwartungshaltung des Publikums an die Darstellung eines Vernichtungslagers zu tun, das vor allem von Spielfilmen geprägt ist. »Eine Tendenz ist, dass wir oder vor allem jüngere Generationen, die mit diesen Bildern und diesen starken Narrativen aus dem medialen Gedächtnis aufwachsen, dass wir geneigt sind, Darstellungsästhetiken für Authentizität zu halten«, so Widmann. »Diese sind aber letztlich nicht authentisch, sondern fußen einfach auf unsere Konsumgewohnheiten.« Kurz gesagt: Was wir für eine exakte Nachbildung der Geschichte halten, setzt sich oft aus verzerrten Medienbildern zusammen.

Ach, und natürlich hat @christianschiffer damals anlässlich der völlig verunglückten Lokalisierung von Wolfenstein 2 den Diskurs angestoßen, wie katastrophal ausgerechnet in Deutschland oft noch um den Holocaust herumgetänzelt wird. (Und nochmal Eigenwerbung, damals habe ich auch einen israelischen Spieleentwickler interviewt, der das ganze mit einem Satire-Spiel kommentiert hatte.)

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Das ist in der Tat ein sehr sehr guter Artikel zu dem Thema. :+1:

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Die Liste, die ihr da bei GAIN erstellt habt, zeigt auch gut anhand von Beispielen, dass Videospiele den Holocaust thematisieren, aber fast immer durch eine fiktionalisierte Linse, die Bilder von Konzentrationslagern und Verfolgung eher referenziert, aber nicht den ganzen Ballast des echten Grauens schultern muss. Postapocalypse-Nazis, Alien-Diskriminierung, Science-Fiction-Apartheid.

Da fällt mir auch Valkyria Chronicles ein, das mit der Bevölkerungsgruppe der Darcsens (und später im Spiel auch Konzentrationslagern) fast wirklich konkret wird, dass es hier um Europäische Jüd*innen geht.

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Through die Darkest of Times habe ich schon gespielt. Das fand ich sehr gut umgesetzt. Ich mache mir auch Gedanken wie man diese Ereignisse in jedem Genre umsetzen würde.

Wie wäre es als Action-Adventure oder als Survial-Spiel. Vielleicht auch als Strategie-Spiel?

Wäre ein Assassin’s Creed in dieser Zeit vorstellbar?

Wäre das überhaupt moralisch abnehmbar?

Indiana Jones hatte ja auch diesen Hintergrund. Aber da ging es ja um die Nazis und weniger um den Holocaust.

Ich finde das es zu wenig Spiele zu den Geschehnissen gibt.

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erinnert sich noch jemand ans Spiel aus der PS1 oder PS2 Ära: Prisoner of War.

Da war man Gefangener in einer Art KZ und musste ausbrechen

Große Kandidaten: Spuren auf Papier, ein Spiel über „Euthanasie“, sowie Forced Abroad (in allen App Stores), ein Spiel über einen niederländischen Zwangsarbeiter (DISCLAIMER: bei letzterem war ich Autor)

Und jetzt wage ich es auch: Zu „Spuren auf Papier“ ist just heute mein Interview mit dem Hauptverantwortlichen des Projekts auf OK COOL erschienen, zwar nur für Backer, aber ich will doch drauf hinweisen: Im Gespräch mit Martin Thiele-Schwez über "Spuren auf Papier", ein Spiel über "Euthanasie" - OK COOL

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Danke für die Eröffnung dieses Threads, trägt er doch auch in einem ‚Gaming‘ Magazin dazu bei, dass dieses Thema nie in Vergessenheit geraten sollte; eine Tendenz, die inklusive zahlreicher fake news zum Thema Drittes Reich immer wieder neu kursieren bzw. instrumentalisiert werden.
Mich würde hierzu die Meinung/Haltung von Holocaust Überlebenden bzw. deren Nachkommen interessieren, ob aus deren Sicht eine solche Umsetzung neben der Aufklärung zum Thema Sinn macht und gleichzeitig den Respekt wahrt.

Eine mögliche „Aufarbeitung“ in einem Videospiel sehe ich allerdings angesichts des unvorstellbaren Leids und der individuellen Schicksale kritisch. Beim Thema Krieg war für mich bereits ‚This war of mine‘ (2014) harte Kost, emotional sehr aufwühlend und ich habe das game nicht weiter gespielt, sicherlich auch, weil ich aus der Familie als kleiner ‚Bub‘ die leidvollen Kriegsgeschichten der Betroffenen in Erinnerung habe - hier ‚gewinnt‘ die Realität gegenüber dem Gaming.

Insgesamt berührt das Thema für mich den Bereich ‚serious games‘ im geschichtlichen und politischen Rahmen, das ja auch mal aufgeriffen werden könnte.

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Hallo,

bei uns ist seit längerem ein umfangreicherer Artikelbeitrag einer Expertin zum Thema geplant und bereits zugesagt, urlaubsbedingt dauert es noch etwas.
Liebe Grüße

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Muss bzw. sollte der HC überhaupt spielerisch erfahrbar gemacht werden? Wo liegt denn da der Mehrwert? Ich finde es im diesem Punkt fast schon anmaßend eine mittendrin oder sogar täterperspektive einzunehmen.

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Das ist die Frage ganz im Kern und ich glaube der Diskurs diese zu beantworten beginnt gerade erst. Grundsätzlich würde ich sagen: Spielbar machen eher nicht, auf gar keinen Fall Täterperspektive. Aber: auf keinen Fall ganz ausklammern. Viele WW2-Strategiespiele schleifen hart an der Grenze zur Holocaustleugnung, wenn man das SS-Truppen durch Osteuropa klickt, ohne zu kontextualisieren, was die da eigentlich gemacht haben. Das Stichwort „saubere Wehrmacht“ ist bei Videospielen auf jeden Fall noch sehr relevant.

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Es gibt das Projekt Erinnern mit Games, das von Christian Huberts geleitet wird und die Datenbank Games und Erinnerungskultur betreut.

Eine barrierefreie Projektdokumentation findet ihr hier: Handbuch: Erinnern mit Games herunterladen

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Die haben neulich auch eine Reihe Videos verschiedener Creator*innen auf YouTube veröffentlicht (die auf der Webseite etwas versteckt sind):

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Vielen Dank für die ganzen Links. Ich wusste das ehrlich gesagt nicht was es alles noch gibt… Das finde ich schon bereichernd.

Macht man sich das alles Spieler nicht bewusst?

Spielbar gemacht im unterhaltenden Sinne wird der Holocaust hoffentlich nicht. Aber ich denke die „neuen“ Medien sollen die Erinnerung aufrecht erhalten auf moderne Weise.

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Ist halt ein sehr schmaler Grad zwischen Gedenken, Aufklärung und „Spielspaß“. Aber ich weiß natürlich worauf du hinauswillst und ich gehe auch davon aus, dass sich dem Thema früher oder später gewidmet werden wird.

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